Zum Inhalt springen

Als sich Tine im Schwimmbad wehrte

2. August 2011

Als sich Tine im Schwimmbad wehrte

Ein heißer Sommertag war heute. Gut gelaunt wartete Tine im Schwimmbad bei den Umkleidekabinen auf ihre Freundin Mara. Mara hatte sich verspätet und Tine schaute den tobenden Kindern im Nichtschwimmerbecken zu.
Plötzlich tönte eine Männerstimme: „Na, Kleine, wartest du auf deinen Freund?“
Erschrocken sah sich Tine um. Ein Mann stand hinter ihr. Er grinste und streckte seinen dicken Bauch mit der breite, rötlichen Narbe ein bisschen weiter vor. So weit, dass er fast Tines Hüfte berührte.
Ihh! Tine bekam trotz der Hitze eine Gänsehaut. Sie trat einen Schritt zur Seite.
„Ich warte auf meine Freundin. Sie kommt gleich“, sagte sie schnell.
„Wollen wir uns ein wenig unterhalten?“
Der Mann musterte sie von oben bis unten. Ganz komisch fühlte sich das an.
„Mit fremden Männern rede ich nicht.“ Tine nahm ihre Tasche und wollte sich abwenden.
Da packte sie der Mann am Arm. Das tat weh und Tines Herz fing zu rasen an.
„Au! Lassen Sie das!“ Zitternd riss sich Tine los. So schnell sie konnte, rannte so zum Nichtschwimmerbecken hinüber.
Da endlich kam Mara.
Tine war erleichtert. „Komm!“, rief sie der Freundin zu. „Wir müssen den Bademeister suchen.“
„Was ist denn los?“, wollte Mara wissen.
„Da war ein Mann. Er hat mich angefasst und so blöd geguckt. Wir müssen das melden.“ Tine schluchzte, doch dann war die Wut größer als die Angst. „Meine Eltern haben mir gesagt, wenn mich jemand dumm anspricht oder anfasst, soll ich schnell weglaufen und Hilfe holen.“
Mara war blass geworden. „Los! Erzählen wir es dem Bademeister! Nicht, dass der Kerl wegläuft oder andere Kinder anspricht.“
Tine nickte. „Ja, wir müssen uns wehren.“
„Das habt ihr gut gemacht“, sagte später einer der beiden Polizisten, die der Bademeister sofort gerufen hatte. „Ihr müsst bei solchen Begegnungen immer gleich Hilfe holen.“ Er wandte sich Tine zu. „Kannst du den Mann beschreiben?“
Hm. Das war schwer. Es gab hier viele Männer mit dickem Bauch.
„Er hatte eine tiefe Stimme“, sagte sie langsam. „Und er war dick.“
Tine dachte nach. Da war doch noch etwas gewesen. Etwas, das ihn von den Männern im Schwimmbad unterschied.
„Die Narbe“, rief sie. „Auf dem Bauch hatte er eine breite Narbe.“
Die Polizisten und der Bademeister nickten zufrieden. „Das hast du sehr gut beobachtet“, lobte sie einer der Polizisten. „Bestimmt werden wir den Kerl finden.“
Und so war es auch. Die Polizisten nahmen den Mann, der sich gerade mit einem kleinen Jungen unterhalten hatte und der nun laut schimpfte, mit.
Auf einen Nachmittag im Schwimmbad hatte Tine nun keine Lust mehr. Sie wollte schnelll nach Hause und ihren Eltern von dieser Begegnung erzählen. Morgen aber würde sie ganz bestimmt wieder zum Schwimmen gehen. Angst muss sie keine haben. Sie weiß ja, wie man sich wehrt.

© Elke Bräunling & Regina Meier zu Verl

Philipp und das Traumpony

24. Juli 2011

Philipp und das Traumpony
Eine Geschichte, die Mut macht und Angst wegnimmt … einfach so im Traum …

Philipp wohnt noch nicht lange auf dem Land, doch einen Freund hat er schon gefunden: Mark vom benachbarten Ponyhof. Zusammen mit Mark gibt es für das Stadtkind Philipp jeden Tag etwas Neues zu entdecken, und Philipp sagt bald zu seinen Eltern: „Auf dem Land zu wohnen ist echt spannend!“
Nur vor den vielen Tieren hat Philipp noch einen Heidenrespekt, vor den Ponys fürchtet er sich sogar ein bisschen. Doch das darf er nicht zeigen. Nein, er muss unbedingt das Reiten lernen, um Mark als Freund nicht zu verlieren. Wenn er sich nur nicht so sehr davor fürchtete, von seinem Pony herunterzufallen! Bestimmt würden sich Mark und seine Schwester Maja kringeln vor Lachen.
„Auf den Boden fallen ist wie eine Reitertaufe“, sagt Maja. „Am besten ist´s, wenn du in Pferdemist fällst.“
„Und am allerbesten ist´s, wenn du auf Sammy das Reiten lernst“, fügt Mark hinzu und grinst.
„Auf Sammy?“ Philipp tut, als sei das die normalste Sache der Welt. Dabei weiß doch jeder, dass Sammy das wildeste Pony auf dem Hof ist.
Nun liegt er im Bett und kann nicht einschlafen. Morgen ist die erste Reitstunde, und jedes Mal, wenn Philipp die Augen schließt, grummelt die Angst heftig in seinem Bauch. Er sieht, wie er auf Sammy sitzt. Stürmisch schleudert der ihn über die Koppel. Dann – plumps – fällt er in eine große Schmutzpfütze. Es geht fast so wild zu wie bei den Rodeokämpfen in Westernfilmen, und wenn Philipp daran denkt, würde er mit dem Reiten lieber noch warten. Aber wie kann er Marks bester Freund sein, wenn er sich nicht mutig auf ein Pony schwingen und mit ihm über die Wiesen jagen kann?
Endlich schläft Philipp ein. In dieser Nacht hat er einen schönen Traum. Klar, von einem Pony natürlich. Das sieht aus wie Sammy. Auch klar. Aber das Traumpony ist ganz lieb und zahm.
„Komm, Philipp“, raunt es ihm zu. „Sitz auf. Deine Angst pack in eine Tüte. Wir nehmen sie mit.“
Ehe sich Philipp versieht, sitzt er im Sattel.
„Und nun reiten wir in die Welt hinein“, sagt das Traumpony. „Du wirst staunen, wie schön das ist.“
Stimmt. Philipp staunt. Die Welt sieht vom Rücken eines Ponys anders aus. Unter ihm ist alles viel kleiner. Die Gräser, die Blumen, die Hunde und Katzen, ja selbst Maja und Mark. Glücklich blickt sich Philipp um. Die Angst, die in seinem Bauch grummelt, ist schon ein bisschen kleiner geworden.
Da trabt das Traumpony los. Sie reiten über die Wiese hinüber zum Feld, dann durch das Wäldchen zum Fluss. Am Flussufer geht es den Weg entlang weit und weiter bis zu den Bergen. Nun wird es steil, doch das Traumpony fürchtet sich nicht. Mit sicheren Tritten klettert es mit Philipp die schmalen Bergpfade bergauf vorbei an Bergwäldern, Almweiden und Felsen. Endlich stehen sie auf dem Gipfel eines der höchsten Berge.
„Prima hast du das gemacht, Philipp“, sagt das Traumpony. „Und nun öffne deine Angsttüte und streue all die Angstkörner und Grübelsteinchen und Zitterfädchen hier oben einfach aus und sage „Tschüs“ zu ihnen!“
Philipp öffnet die Tüte und wirft all diesen Angstmüll mit weitem Schwung den hohen Berg hinab. Das macht Spaß. Schnell ist die Tüte leer. Ganz leicht fühlt sich Philipp nun – und ganz leicht fühlt er sich auch, als er wenig später aufwacht. Die Sonne scheint, und heute darf er endlich zum ersten Mal auf dem Rücken eines Ponys sitzen. Fröhlich radelt er nach dem Frühstück zum Ponyhof hinüber, wo Maja, Mark und die Ponys schon auf ihn warten.

© Elke Bräunling

Der “Hai” im Baggersee

18. Juli 2011

Der „Hai“ im Baggersee

An schönen Sommertagen verbringen die Freunde Mara, Lea, Max und Daniel an Wochenenden oder in den Ferien viel Zeit mit ihren Eltern am Baggersee. Manchmal zelten sie hier sogar. Das macht einen Riesenspaß, und wenn die Kinder ihre Schwimmflügel tragen, dürfen sie sogar alleine mit dem Gummiboot von Daniels Vater hinüber zu der kleinen Insel mitten im Baggersee rudern.
So auch heute.
Während Max und Daniel auf der Insel Robinson Crusoe spielen, planscht Lea im Wasser, baut einen Dammund sammelt Steine. Plötzlich sieht sie ein seltsames Ding im See. Es ist dreieckig und durchpflügt mit seiner spitzen Zacke rasch das Wasser.
Blitzschnell schwimmt es auf sie zu.
Lea erschrickt.
„Ein Hai!“, ruft sie. „Hilfe! Ein Hai!“
„Hoho!“ Max und Daniel lachen. „Im Baggersee gibt es keine Haie.“
Dann aber werden auch sie blass und starren auf die dreieckige Flosse, die nur noch wenige Meter von ihnen entfernt ist. Schon hat sie ihr Schlauchboot erreicht und lupft es nun so weit in die Höhe, dass das Boot für einen Moment in der Luft schwebt. Dann fällt es mit einem Plumps wieder auf das Wasser zurück.
Was ist das bloß?
„Hilfe! Das Haimonster kommt an Land.“
Mit ängstlichen Blicken verfolgen die vier Freunde, wie sich ihnen der gefährliche Hai immer mehr nähert.
Da! Jetzt ist er gleich bei ihnen.
Er hält an, richtet sich plötzlich auf und tappt mit seinen blutroten Flossen ans Ufer. Seine glitzernden Augen sind starr auf die Kinder gerichtet.
Jetzt steht er vor ihnen, öffnet langsam sein Maul … und sagt:
„Hallo, ihr Abenteurer! Ich komme mit einer Botschaft von euren Eltern. Das Mittagessen ist fertig, und ihr sollt sofort an Land kommen.“
Der Hai, der kein anderer ist als Zeltnachbar Meier, lacht. Dann schiebt er seine Taucherbrille zurecht, springt ins Wasser zurück und schwimmt mit kräftigen Schwimmbewegungen rasch davon.
© Elke Bräunling

Mia und der Wald der Träume

4. Juli 2011

Mia und der Wald der Träume

Mia hat schlecht geträumt. Ein Geist hat vor ihrem Bett gestanden und schaurig geheult. Deshalb will Mia am nächsten Abend nicht zu Bett gehen.
„Dein böser Traum“, sagt Mama, „ist längst im Wald der Träume. Der böse Geist kommt bestimmt nicht zurück.“
„Wald der Träume? Was ist das?“, fragt Mia.
„Ein großer Wald, den noch kein Mensch je gesehen hat. Dort landen alle Träume, und aus jedem Traum wächst ein neuer Baum.”
„Uih“, sagt Mia, „da wird der Wald ja jeden Tag größer!“
Mama nickt. „Ist das nicht prima? Jeder Baum hat sein Geheimnis. Und vielleicht“, sagt sie, „verirrt sich mancher Traumbaum nach einem besonders schönen Traum hierher in unseren Wald.“
„Fein“, sagt Mia. „Dann träume ich jetzt einen schönen Traum, und morgen suchen wir ihn im Wald.“
Mama lächelt und knipst das Licht aus. „So machen wir das. Doch nun schlaf gut und träume schön!“
Mia denkt an den Wald der Träume. Viele ganz unterschiedliche Bäume stellt sie sich vor, ja, und auf einmal steht Mia auf einer Waldlichtung. Hell ist es hier und sonnig. Ringsum wachsen Bäume so hoch und so dicht, dass kein Lichtstrahl dort zum Boden gelangt. Mia fröstelt.
„Willkommen im Wald der Träume“, sagt eine fröhliche Stimme, und ein Mädchen, das Mia wie ein Spiegelbild ähnelt, steht vor Mia.
„Wer bist du?“, staunt Mia.
„Dein Traumkind! Und nun zeige ich dir den Wald und die Traumgeister. Einigen werden wir unterwegs begegnen. Sei leise, denn sie fürchten sich vor Menschen!“
Mia erschrickt. “D-du meinst, wir g-gehen in diesen dunklen Wald? D-das kann ich nicht.“
“Ich bin ja bei dir”, tröstet Traumkind. Es fasst Mia an der Hand und führt sie in den Wald.
Auf einmal springt eine kleine Feengestalt hinter einer Baumwurzel auf. Sie fuchtelt mit den Armen und heult auf:
“Zu Hilfe! Ein Menschenkind ist hier! Achtung! Aufgepasst!”
Aufgeregt saust die kleine Fee von Baum zu Baum, bleibt manchmal stehen, um hinter einem Baumstammversteck zu Mia und Traumkind herüber zu lugen.
“Siehst du”, sagt Traumkind. “Sie fürchtet sich, die kleine Traumfee!”
“Aber wir tun ihr doch nichts!”, wundert sich Mia.
“Glaubst du mir nun, dass Traumgeister die Menschen fürchten?”, fragt Traumkind. “Diese Angst, diese dumme Angst! So unnötig ist sie!“
Währenddessen geht ein Raunen durch den Wald. Von allen Seiten knistert, knackt, tuschelt und brummelt es. Ab und zu sieht Mia fremd aussehende Gestalten zwischen den Bäumen umherhuschen. Manche sehen aus wie Geister und Gespenster, andere wie Spielzeugmonster, Drachen, Vampire, Zwerge, Feen, Hexen oder Zottelungeheuer. Wieder andere ähneln Menschen in altmodischen Frisuren und Kleidern. In einem aber unterscheiden sie sich nicht: Sie sind alle sehr aufgeregt und scheinen sich zu fürchten.
“Vorsicht”, ruft es von allen Seiten. “Passt auf!”
“Gebt Acht! Gefahr!”
“Huhui! Hiilfe!”
“Ich habe Angst!”
“Versteckt euch!” “Achtung! Ein Menschenkind ist da, ja, es ist wahr!”
Aufgeregt schallt es durch den Wald. Selbst die Zweige der Bäume wedeln aufgewühlt hin und her.
”Huhuuu! Ein Menschenkind! Seht euch vor! Huhuu, huhuu!”
Wieder und wieder ertönt das ängstliche Geheule durch den Wald.
Mia ist verwirrt. Traumkinds Gesicht aber wird rot vor Wut.
“Ruhe!“, ruft es. „Fürchtet ihr euch etwa vor der kleinen Mia, ihr Angsthasengeister? Sie tut euch nichts zu Leide! Ihr aber führt euch nachts wie wilde Kerle auf, wenn ihr böse in den Träumen der Kinder herumgeistert. Dabei wisst ihr selbst, wie schlimm es ist, Angst zu haben! Feiglinge seid ihr! Und nun seid endlich still. Hört ihr?”
Lustig sieht es aus, wie sich das kleine Traumkind aufregt!
Mia muss lachen. Laut und schallend.
Sofort wird es still im Wald der Träume, und die Traumgeister ziehen sich in das Dickicht zurück. Immer leiser wird das Geraune, dann ist Ruhe eingekehrt.
„Schade“, sagt Mia. Sie wendet sich Traumkind zu, doch es ist nicht mehr da.
Da sieht Mia, dass die ersten Sonnenstrahlen auf ihr Bett blinzeln.
„Schade“, sagt Mia wieder. „Diesen Traum hätte ich gerne noch ein bisschen weiter geträumt.“

© Elke Bräunling

Drei Bären pflücken Beeren

29. Juni 2011

Drei Bären pflücken Beeren

Beim großen Sommerfest des Oberbären führt Frau Oberbär Plum, den kleinen Bären, in die Bärenhöhle.
“Hier warten Plim und Plam, zwei Bärenkinder in deinem Alter, auf dich“, sagt sie. “Bestimmt werdet ihr gute Freunde sein.”
“Au ja“, freut sich Plum. Dann aber erschrickt er. Die beiden Bärenkinder drehen einander ja den Rücken zu! Sie scheinen sich nicht zu mögen, und auch der kleine Bär mag die beiden auf der Stelle nicht leiden. Sie sehen so fremd aus! Ihr Pelz ist nämlich weiß und schwarz!
Wie eklig, denkt Plum. Echte Bären sind braun. Nein, mit denen möchte ich nichts zu tun haben.
Plum ist sauer. Er mag nicht mit diesen Ekelbären spielen.
„Es würde mich nicht wundern, wenn auch noch blaue, grüne oder gelbe Bärenkerle auftauchten”, brummt er.
Und so sitzen nun drei kleine Bären in der Höhle und schmollen. Was sie voneinander denken, nun, das würde sich bestimmt nicht sehr nett anhören.
Nach einer Weile kommt der Oberbär.
“Hallo”, sagt er und tut, als sei alles in bester Ordnung. “Ihr könnt im Wald Beeren für unser Festmahl pflücken! Einverstanden?”
Beeren pflücken? Dazu haben die drei keine Lust.
Weil man aber dem Oberbären nicht widerspricht, stammelt Plum: “Ei-ei-einverstanden!”
Der weiße Bär Plim brummt “Ja ja” und streckt die Zunge heraus.
Der schwarze Bär Plam knurrt: “Brrr!”
Dann trotten die Drei murrend in den Wald. Plum geht nach links zu den Brombeerhecken, Plam nach rechts zur Walderdbeerwiese und Plim geradeaus zu den Blaubeerkissen.
Klar, jeder möchte der beste Beerenpflücker sein, und so pflücken die drei Bären so viele Beeren, wie sie nur können. Vor lauter Pflücken aber vergessen sie, auf den Weg zu achten, und auf einmal stehen sie bärenseelenalleine im Wald. Da kriegen sie es mit der Angst zu tun.
Plum bleibt vor Schreck erst einmal im Gebüsch stecken. Dann aber reißt er sich los und saust davon nach irgendwohin in den Wald. Den Beerenkorb aber lässt er stehen. Nur die vielen grünen Brombeerdornenzweige, die sich in seinem braunen Fell verheddert haben, nimmt er mit.
Plam hüpft zwischen den Grashalmen auf und ab, aber auch er kann den Rückweg nicht finden. Da kriegt er es so mit der Angst zu tun, dass er nach irgendwohin über die Wiese saust. Den Beerenkorb vergisst er. Nur die vielen Grassamen, die gelb wie Sterne in seinem schwarzen Fell funkeln, nimmt er mit.
Plim wirft sich ängstlich auf ein Blaubeerkissen und weint: “Mama!!!” Doch seine Mama hört ihn nicht, und so rennt auch er los nach irgendwohin den Hang hinunter. An dem Beerenkorb denkt er nicht. Die vielen Blaubeerflecken auf seinem weißen Fell aber nimmt er mit.
So kommt es, dass sich mitten im Wald drei seltsame Bären begegnen: ein grün-braun gestreifter, ein gelb-schwarz getupfter und ein blau-weiß karierter. Was für ein Schreck!
“Hi-hi-hilfe!”, “Maa-maa!” und “Brrr!” schreien die drei bunten Bären ängstlich durcheinander.
Da muss der schwarze Plam-Bär niesen. Er schüttelt sich und viele gelbe Grassamen wirbeln wie Staubkörner aus seinem Pelz. Nun sieht der gelb-schwarz getupfte Bär wieder aus wie der schwarze Plam.
Da müssen der grün-braun gestreifte Plum-Bär und der blau-weiß karierte Plim-Bär lachen.
“Du bist es”, kichern sie. “Hihi. Wie hast du komisch ausgesehen!”
Plam kichert auch und zieht grüne Brombeerzweige aus Plums Fell. “Ihr seht noch viel komischer aus. Grüngestreift und blaukariert. Hoho.”
Die drei Bären lachen und lachen. Sie sind froh, einander wieder gefunden zu haben! Alleine sein ist nämlich nicht schön. Und auf einmal mögen sie sich sehr gut leiden.
“Was nun?“, fragt Plum schließlich.
“Ich glaube, wir sollten erst einmal unser Fell sauber machen”, schlägt Plim vor.
“Und unsere Beerenkörbe müssen wir auch suchen”, meint Plam.
Gesagt! Getan! Gemeinsam säubern sie ihr Fell und gemeinsam suchen sie ihre Körbe. Gemeinsam geht nämlich alles viel besser. Klar. Nur eines wissen sie auch gemeinsam nicht: den Rückweg zum Bärenfestplatz.
“Gehen wir geradeaus?“, fragt Plum.
“Nein links”, meint Plim.
Ich glaube, rechts”, überlegt Plam.
Wie nun? Sie überlegen und überlegen. Weil sie aber so müde sind, schlafen sie beim Denken ein. Und so finden Herr und Frau Oberbär wenig später drei Bärenkinder, die sich im Gras fest aneinanderkuscheln und tief schlafen. Ein kleiner brauner, ein kleiner weißer und ein kleiner schwarzer Bär.
© Elke Bräunling

Der kleine Bär sammelt Beeren
© Elke Bräunling, Ich hab eine. Und du?

Bruno und Brunhilde

27. Juni 2011

Bruno und Brunhilde

In einem Wald, recht weit von hier,
da lebte einst ein Bär.
Er war ein großes, schweres Tier
und manches fiel ihm schwer.

Sein Fell, das braun und struppig war,
war ihm oft viel zu heiß.
Drum klagte er und fluchte gar:
„Was ist das für ein … Mist!“

Ein Wunsch, der wuchs, ward riesengroß,
ging ihm nicht aus dem Sinn.
„Wie werd´ ich dieses Fell nur los,
damit ich glücklich bin?“

Er zog und zerrte fest daran,
die Haut tat ihm schon weh
und eines Tages kam sie dann,
die rettende Idee.

Er ging in eine große Stadt
Und suchte einen Schneider
Und als er ihn gefunden hatt´,
da sagte dieser: „Leider…

…kann ich nicht helfen, lieber Bär.
Da bin ich nicht der Rechte,
ich bin ein Mensch und Sie ein Bär,
wie ich bemerken möchte!“

Der Bär war traurig und verließ
des Schneiders Atelier,
kam zum Friseur mit Namen „Spieß“,
sein Herz tat ihm schon weh.

Er trug dort seine Bitte vor,
Herr Spieß, ein netter Mann,
der lieh geduldig ihm sein Ohr
und sprach zu ihm sodann:

„Man kann das Fell wohl abrasieren,
doch gäb´es ein Problem,
im Winter würden Sie dann frieren,
das ist nicht angenehm.“

„Mir ist´s egal, es stört mich wenig,
Ich friere niemals, ehrlich!“
„Der Kunde ist mir immer König,
der neue Schnitt wird herrlich.“

Gesagt, getan – das Fell war runter,
der Bär jetzt nackt und froh.
„Wie schön ich bin!“ brummte er munter.
„Sah mich noch niemals so!“

Zu Hause wartete schon lang
Die Brunhild, seine liebe Frau.
Als sie ihn sah, wurde sie bang,
erkannte ihn nicht mehr genau.

Doch als er brummte: „Hallo Frau!“
Da wusste sie Bescheid,
es war ihr Bruno, ja genau –
ganz nackt und ohne Kleid.

„Wo ist dein Fell, mein lieber Mann.
Wo hast du es gelassen?
Dein Kuschelfell, dein Schmusehaar,
oh Mann, ich kann´s nicht fassen.“

Bruno lachte und dann küsste
er sie mitten auf den Mund.
„Ja, mein Schatz, wenn ich das wüsste,
Hauptsache wir sind gesund!“

Sie schimpfte nicht und lachte auch,
und während sie ihn drückte,
nahm sie schon Maß an seinem Bauch
und strickte dann und strickte…

ein Bärenfell aus weicher Wolle,
das ihn vor Kälte schützte
und das konnt er, das war das Tolle
ablegen, wenn er schwitzte.

Und heute trägt sie selbst ein Kleid,
weil es ihr so gefällt
und sie bestrickt die ganze Zeit
die weite Bärenwelt.

(c) Regina Meier zu Verl

Dieses Gedicht ist entstanden, als ich wieder einmal einen Pullover für den Teddybär meiner Tochter strickte. Mir fällt oft etwas ein, wenn ich handarbeite und das Stricken ist meine liebste Beschäftigung, wenn ich nicht gerade musiziere oder schreibe – ich kann einfach die Hände nicht still halten. :)

Spaghetti wie bei Gianni

18. Juni 2011

Spaghetti wie bei Gianni

„Was sollen wir heute kochen?“ Mama zieht den Mantel aus, sie hat gerade Robin vom Bus abgeholt.
„Spaghetti!“, ruft Robin begeistert. Doch Mama schüttelt unwillig den Kopf.
„Nein, nicht schon wieder. Die hatten wir doch erst gestern.“
Robin schmollt, Spaghetti isst er so gern, am liebsten jeden Tag. Es macht Spaß, die Nudeln zwischen den Lippen durchflutschen zu lassen und dann die Tomatensauce von den Lippen zu schlecken. Am besten geht das, wenn die Spaghetti richtig lang sind, wie beim Gianni.
Mama bricht sie immer einmal durch in der Mitte. „Dann kann man sie besser auf die Gabel bekommen“, behauptet sie. Aber Gianni, der Italiener ist und es besser wissen muss, sagt das sei Unsinn. Je länger die Nudel, desto besser kann man sie mit der Gabel aufrollen. Das hat Gianni erklärt und dann hat er vorgemacht, wie man richtig Spaghetti isst, mit Löffel und Gabel.
Man schiebt den Löffel unter die Nudeln und dann stellt man die Gabel senkrecht auf den Löffel und dreht sie so lange in eine Richtung, bis keine langen Enden mehr vom Löffel hängen. Dann ab in den Mund und genießen.
„Und wenn ich die Spagetti heute nicht flutschen lasse und sie so richtig vornehm esse, wie im Restaurant bei Gianni?“, wagt Robin noch einen Überredungsversuch.
„Dann“, die Mutter grinst und gibt sich geschlagen, „dann koche ich dir eine Portion und die anderen bekommen Bratkartoffeln und Spiegelei“, schlägt sie vor.

So richtig hat es noch nicht geklappt mit dem vornehmen Essen, das lag aber nur daran, dass die Mutter die Spaghetti wieder durchgebrochen hat.

© Regina Meier zu Verl

Meine Kinder haben Spaghetti immer geliebt, heute sind sie schon erwachsen und trotzdem kann ich sie noch immer mit einer leckeren Nudelmahlzeit begeistern. Geschichten schreibt das Leben … Nudelgeschichten auch.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.